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Der naive Mensch

Über Pilpulismus und seine Folgen Jeremias, Geweihter des Ordo Astraeli

Metadaten

  • Epistemischer Status: #überlieferung
  • Gattung: Religionsphilosophische Abhandlung
  • Autor: Jeremias

In dieser Schrift erörtert der Geweihte Jeremias die Problematik der Gelehrsamkeit innerhalb der menschlichen Gesellschaft und stellt die These auf, dass ein einfacher ("naiver") Geist eine ebenso hohe religiöse Stufe erreichen kann wie ein Gelehrter.

Pilpulismus

Jeremias kritisiert den sogenannten Pilpulismus (von hebr. pilpul für Schärfe/Würze). Er beschreibt damit eine übermäßige theologische Haarspalterei, bei der Gelehrte ihre Werke immer weiter "schärfen" und "würzen", dabei jedoch den eigentlichen Dienst an den Gottheiten (siehe Religion_Übersicht) vernachlässigen. Dieser Prozess führt laut Jeremias zur Egozentrik, die den Platz für das Göttliche im Herzen des Menschen einschränkt.

Die Naivität als Schlüssel

Der einfache Mensch, wie etwa der Tagelöhner, besitze keine Zeit für komplexe Studien. Sein Gebet sei oft naiver gestaltet, aber gerade diese Reinheit von egozentrischem Denken und intellektuellem Stolz sei der Schlüssel zur religiösen Erhebung. Die Viere erkennen laut Jeremias die innere Einstellung und die reine Liebe zum Glauben an, ungeachtet der gesellschaftlichen Stellung oder Bildung.


Mit jenen Seiten versuche ich die Problematik der Religiösität in unserer menschlichen index weitgehend zu erörtern. Es behandelt den von mir aufgestellten Fakt, dass ein naiver, einfacher Mensch wohl eine selbe religiöse Stufe erreichen kann, genauso wie der größte Gelehrte unter uns.

Gelehrte Menschen, Menschen mit geistigen Reichtum, weltlichen Überfluß und einer guten Bildung zentrieren sich im Dienste an die Götter immer mehr und mehr zu sich selbst. Die These, die ich damit aufstellen will ist, dass je mehr sich ein Mensch in seinem leben zentriert, sich egozentrisch gibt, desto weniger Platz bleibt für die Götter. Dennoch von außen gilt er in der heutigen index als tief religiös und gerade an jenem erwarten man einen hohen göttlichen Beistand.

Als Gegenbeispiel möchte ich den einfachen Mann vorstellen. Jener hat auf Grund seiner gesellschaftlichen Stellung nie eine Chance gehabt, sich zu bilden, und hat auch für jenes keine Zeit, da der Tagelöhner jeden Tag um sein überleben zu kämpfen hat. Für jene bleibt kein Platz zu Studien und ähnlichem. Sie sind oft froh, wenn sie Zeit finden ein frommes Gebet, einen fortwährenden Dank oder eine Bitte an die Götter zu richten.

Doch wie kann nun so ein Mann, die gleiche religiöse Stufe erreichen, wie der größte Gelehrte? Es ist zu unterstreichen, dass ich die Gelehrtenschaft mit jener Erörterung auf keinen Fall schlechter stellen möchte, dennoch kann ein naiver, einfacher Mensch die selbe Stufe erreichen. Ein Gebet eines einfachen Menschens ist oft einfacher und naiver gestaltet. Die Menschen, jene sich auf höhere gesellschaftliche Stände bewegen, verlieren mit ihrer Entwicklung diese Naivität, die den Schlüssel zu einer religösen Erhebung bildet. Der Mensch wird egozentrisch. Genauso wie der Gelehrte.

Ich werfe der Gelehrtenschaft, zu jener ich wohl selbst gehören mag, einfachen Pilpulismus vor! Man beschäftigt sich mit Fragen, welche keinen Bezug mehr zum eigentlichen Dienste an die Viergötter haben. Pilpulismus bedeutet übertragen, schärfe und Würze. Viele Gelehrten sind nur noch damit beschäftigt ihre eigene index mit der Zeit zu schärfen und immer mehr zu würzen, doch kommen sie dann vom Wesentlichen ab.

Die Lehren Astraels sind dafür da, sie unter das Volk zu bringen, dass Volk zu belehren. Doch anstatt das Volk zu belehren werden oft nur index auf eine für einfache Menschen, unverständliche Weise, verändert und gar verfälscht. Pilpulismus ist keine Sünde, doch muss man die klaren Grenzen in ihr definieren. Man darf nicht vom Wesentlichen abkommen. Pilpulismus ist daher gefährlich, wenn man es überzieht. Denn durch dauernde pilpulistische Denkweisen, gerät das Ego immer weiter ins Zentrum seines Daseins, und die Anwesenheit der Viergötter wird innerlich immer mehr zur Seite gedrängt.

Anders ist jenes bei den einfachen Menschen. Jener wendet sein Gebet aus reiner Liebe zu den Göttern, natürlich auch aus seiner Not. Dennoch ist dieser Mensch rein von jeglichen egozentrischen Denken und besitzt oft nichts anderes, als den Glauben seiner Götter und den zwei Milchkühen oder das abgetragene Feld. Die Viere erkennen jenes und werden sich auch nach der inneren Einstellung richten.

Mit dieser kurzen Schrift möchte ich warnen vor tiefen Pilpulismus und schneller Bevorurteilung über ungelehrte, einfache Menschen.

Jeremias Geweihter des Ordo Astraeli