Der letzte Falke¶
Ballade vom Fall des Falkenhorsts
Anonymus / Rose von Sonnentau
Epistemischer Status: #überlieferung (Historisches Epos)
Die Ballade vom Letzten Falken ist eines der tragischsten und bekanntesten Werke der Siebenwinder Lyrik. Sie beschreibt die letzten Zyklen der Verteidigung des [[Falkenhorst]] gegen ein nekromantisches Heer.
Die drei Ritter¶
Das Epos charakterisiert die drei verbliebenen Verteidiger: - [[Sire_Aspin]] (Schwertklinge): Ein introvertierter Kämpfer von unerreichter Präzision, der aus unerwiderter Liebe und Pflichtgefühl den Tod auf den Zinnen wählt. - Athos (Herzensbrecher): Ein charmanter Diplomat und loyaler Freund, der widerwillig zur Flucht nach Brandenstein gezwungen wird. - Barnabas (Großmeister): Der pflichtbewusste Anführer, der das Erbe von Finsterwangen bewahrt.
Verlauf der Legende¶
Während das Heer des Einen die Burg belagert, versucht ein sprechendes (oder sehendes) [[Katzchen]], die Ritter zur Flucht zu überreden. Diese bestehen jedoch auf ihren Eid. Schließlich befiehlt Barnabas den Rückzug, doch Aspin bleibt als letzte Wacht zurück. In einer finalen Opferung versinkt die Burg mitsamt dem Feind in einer gewaltigen Flut, die heute den See am ehemaligen Standort der Feste bildet.
Lore-Bedeutung¶
- Opfermythos: Sire Aspin gilt als Inbegriff des ritterlichen Verzichts.
- Mindoril: Die Erwähnung des "Vermächtnisses von Herrn Finion" deutet auf ein mächtiges Artefakt hin, das nach Brandenstein gerettet wurde.
- Geistwacht: Der "Rittergeist", der im See wacht, ist ein fester Bestandteil der nordmännischen Volksmagie.
Hört mich an, ihre lieben Leut,
hört, was ich berichte heut:
Von Tapferkeit und Rittereid
von Heldentum und großen Leid.
Von des Horstes letzter Schlacht
als der alte Feind mit Macht
erhob erneut die dunkle Hand
um zu rauben unser Land.
Im Falkenhorst bei Tag und Nacht
drei Ritter hielten einsam Wacht
um zu erfüllen ihren Eid
und kostet es auch ihren Leib.
Allein sie standen auf den Zinnen
Als der Feind mit üblen Sinnen
blickte auf zu hohen Mauern
um ihnen dort dann aufzulauern.
Er sandte aus, die dunkle Schar,
wo, das was einst lebendig war
diente ihm, auch wenn es tot
zu bringen Leid und große Not.
Die Ritter sahn die Schatten drohn,
ein Bürger wäre wohl geflohn,
doch ein Ritter wird nicht fliehn,
wenn er kann sein Schwert noch ziehn.
Und so tagte manche Stunde.
in jener Nacht die Tafelrunde
wo man sich sehr ernst beriet
ob man ging oder doch blieb.
Lange, lange hielt man Rat
und dann, als rot der Morgen naht,
erhob sich still mein hoher Herr
als drückt' ihm eine Last gar schwer.
"Es gilt zu halten Burg und Stadt,
und alle Menschen, die's dort hat.
Solang wir halten unsre Zinnen
können sie nach Stein entrinnen!
Und so lautet mein Beschluss:
Die Ritterschaft sich teilen muss!"
Und dann im ersten Morgengraun
sah man die drei nach Westen schaun.
Ihren Gefährten galt der Blick,
als man sie ließ allein zurück.
Alle Herzen waren schwer
an Wiedersehn glaubt keiner mehr.
Die Schar zog still nach Brandenstein
um dort dann Schutz und Trost zu sein.
So hielten dann bei Tag und Nacht
drei Ritter ihre einsam Wacht
um zu erfüllen ihren Eid
und kostet es auch ihren Leib.
Beim Abendmahl saßen die drei
nur ein Kätzchen war dabei,
dass leis um ihre Beine strich,
und nicht von ihrer Seite wich.
Und da man es nicht jagte fort
hörte es ein jedes Wort
von der kleine Ritterschar,
die so nah dem Tode war.
Und in jener letzten Nacht
drei Ritter hielten einsam Wacht
um zu erfüllen ihren Eid
und kostet es auch ihren Leib.
Dem ersten sprang es auf den Schoss,
der kraulte es, dann lies er los,
und Kätzchen merkte allzubald,
dass sein Herz nur einer galt,
die doch verschmähte seine Lieb,
so dass allein zurück er blieb,
und wie man sich ganz leis erzählt,
zur Liebsten dann den Tod erwählt.
Schwertklinge, wurde er genannt,
und war doch mehr als eine Hand,
die sicher eine Klinge führt,
wenn er Gefahr sich nähern spürt.
Sein Herz war treu und stets bereit
zu streiten für Gerechtigkeit.
Und hat er auch aufs Schwert geschworn
niemals erhob er es im Zorn.
Als Herrn der Münze kannt man ihn
doch zum Gold zog's ihn nie hin.
Golden aber war sein Herz,
denn er teilte fremden Schmerz.
Niemals hat er lang gesäumt,
benötigte man einen Freund.
Und auch Stolz focht ihn nie an,
denn er war ein Rittersmann.
Kätzchen sah ihn lange an,
dann hob es zu sprechen an:
"Komm mit Kätzchen, Rittersmann!
Es versteckt Dich, so es kann.
Siehst du dort die Schatten stehn?
Willst du nicht mit Kätzchen gehn?
Kostbar, kostbar ist Dein Leben,
dass die Herrin Dir gegeben."
Und der Ritter lächelt leicht,
während er ihr Fell sacht streicht.
"Niemals, niemals will ich gehn!
Muss zu meinen Schwur treu stehn.
Doch du Kätzchen, eile fort,
denn nur Tod gilt diesem Ort.
Kätzchen aber, du sollst leben
und meine Botschaft weitergeben."
Und in jener dunklen Nacht
der Ritter hielten treu die Wacht
um zu erfüllen seinen Eid
und kostet es auch seinen Leib.
Das Kätzchen wand sich seufzend ab
es ahnte wohl sein frühes Grab
Das kleine Herz vor Kummer schwer
überlegte es still hin und her:
Wenn Bitten ohne Wirkung sind,
dann stiehlt einfach das kluge Kind!
Doch ist ein Ritter keine Maus,
nur schwer trägt man ihn aus dem Haus!
Es sprang dem zweiten auf den Schoss,
der zogs am Schwanz, dann ließ er los,
und Kätzchen merkte allzubald,
dass sein Herz nur einer galt:
Der schönsten Frau im ganzen Land
die in Vitamas Diensten stand.
Und doch saß er nun hier allein,
denn sie, sie sollte sicher sein.
Sir Athos wurde er genannt,
die Zunge flink und so gewand,
er führte, wie er führt sein Schwert
und war damit auch doppelt wert
und bei allen hochgeschätzt.
Nur das Kätzchen war vergräzt,
und zuckte wütend mit dem Ohr
als es sein Herz an ihn verlor.
Herzensbrecher, nannt man ihn
Frauen sanken seufzend hin
nahte sich der Diplomat.
Und man schätze auch den Rat,
den er willig stets gewährt
genauso hoch wie Athos Schwert.
Er war tapfer und voll Kraft
besonnen und gewissenhaft.
Kein Fest er jemals hat versäumt
und er war der treuste Freund
denn man sich nur wünschen kann
kurz: er war ein Rittersmann.
Kätzchen sah ihn lange an,
dann hob es zu sprechen an:
"Sagt mir guter Rittersmann!
Entführ ich Dich, was steht dann an?"
Und sprach's, dass es wie Scherzen klang
Und Athos lächelt: "Nun - der Strang."
Das Kätzchen schlucke einmal schwer,
denn am Leben hing es sehr.
Steckte still den Schlaftrank fort
und sprach davon kein weitres Wort.
Und der Ritter packt es schnell
ziemlich fest am Nackenfell.
"Kätzchen, niemals will ich gehn!
Muss zu meinen Schwur treu stehn.
Meinen Brüdern steh ich bei,
solang's der Viere Wille sei!
Doch du Kätzchen, eile fort!
Nichts hält Dich an diesem Ort."
Und in jener letzten Nacht
der Ritter hielten dort stolz die Wacht
um zu erfüllen seinen Eid
und kostet es auch seinen Leib.
Das Kätzchen wand sich fauchend ab,
als er es wieder lies hinab.
Und doch seufzte es gar schwer
und überlegte hin und her:
Wenn mir hilft nicht Trug und List,
dann Zwang vielleicht die Lösung ist!
Doch ist ein Ritter keine Maus,
nur schwer trägt man ihn aus dem Haus!
Es sprang dem dritten auf den Schoss,
es krallt' sich fest, lies nicht mehr los,
denk Kätzchen merkte allzubald,
das sein Herz dem Ritter galt,
der es einst gerettet hat,
aus einer tot geweihten Stadt.
Es schmiegt' den Kopf in seine Hand,
an der er trug ein kleines Band.
Sir Barnabas, wurd er genannt,
ein hoher Herr mit starker Hand,
der treu zu unserem König steht,
selbst wenn es an sein Leben geht.
Stets beugt er willig sich der Pflicht,
scheint hart und streng, wenn er mal spricht,
und doch ist, wie das Kätzchen weiß,
sein Herz voll Liebe und kein Eis.
Zum Großmeister wurd er ernannt
zu schützen uns und unser Land.
Stets direkt ist sein Gebahren.
Leidgeprüft und kriegserfahren,
führt er stets selbst die Ritter an
und fürchtet weder Geist noch Mann.
Den Schwarzen gilt sein ganzer Zorn
ihnen hat er Tod geschworn.
Fürs Volk, er tut, was er nur kann,
er ist und bleibt ein Rittersmann.
Kätzchen sah ihn lange an,
und dann packte es den Mann
so fest am Stiefel wie es geht,
zerrt und zerrt, doch dieser steht
und rührt sich keinen Finger breit
und lächelt leicht die ganze Zeit.
Schließlich drückt er es an sich,
bis die Wildheit aus ihr wich.
Und er sprach mit Trauerblick:
"Kätzchen geh, kehr nie zurück!
Diese Feste war mein Heim
und sie sollt es immer sein.
Doch draußen lauert schon der Feind
und trotzdem sind wir noch vereint.
Niemals kann ich mit Dir gehn,
muss zu meinem Schwur treu stehn!"
Und in jener dunklen Nacht
der Ritter hielt treu seine Wacht,
um zu erfüllen seinen Eid
und kostet es auch seinen Leib.
Das Kätzchen lief dann traurig fort,
so als verließe es den Ort,
doch verbarg es sich ganz still im Eck
und rührte sich nicht mehr vom Fleck.
Denn sind auch Katzen häufig scheu
im Herzen sind sie immer treu,
denn eine Katz' ist keine Maus
besteht Gefahr, dann harrt sie aus.
Und kurz bevor der Morgen graut
und Kätzchen von den Zinnen schaut,
weil Trommeln hallen die Nacht
da begann die letzte Schlacht.
Sie maunzt ganz laut: "Gefahr, Gefahr!"
Und es erwacht die kleine Schar.
Die Schwerter liegen schon bereit
und Athos spricht: "Nun ist es Zeit!
Lasst und fest das Schwert umgreifen,
wir werden nicht die Flucht ergreifen.
Diese Burg ist mehr als Stein
Und sie wird es immer sein,
solang ein Falke hier noch wacht,
und widersteht der dunklen Macht."
Drei Klingen blitzen auf im Licht,
als Sire Aspin leise spricht:
"Kein Ort, an dem ich lieber wär,
als hier vor diesen dunklen Heer,
und Euch an meiner Seite weiss.
Mein Tod ist ein geringer Preis,
habt ihr mich heute doch gelehrt,
das des Ritters wahres Schwert
allein in seinem Herzen ruht.
Eure Freundschaft gibt mir Mut."
Sir Barnabas schweigt kurze Zeit,
die Augen dunkel, voller Leid.
Dann ein Lächeln, hell und klar:
"Sire Aspin, ihr sprecht wahr!
Zu viel wir haben schon verloren,
seit wir die alten Eide schworen.
Finsterwangen ist nicht mehr,
ich liebte diese Burg so sehr.
Lang wurden wir zurückgetrieben,
verwundet, ja fast aufgerieben.
Doch brechen konnten sie uns nicht.
Noch gibt es Hoffnung, gibt es Licht.
Und diese wird auch nicht vergehen,
solange wir zusammenstehen,
vereint gegen die Dunkelheit.
Kommt Freunde, es wird nun Zeit."
Mit dem Schwert in seiner Hand,
dem Feind das Antlitz zugewand
tritt Sire Barnabas hinaus.
"Wir löschen diese Brut nun aus!"
Worauf Athos leise lacht:
"Wohlan Bruder, abgemacht!"
Im Angesicht der dunklen Macht
drei Ritter hielten treu die Wacht,
um zu erfüllen ihren Eid
und kostet es auch ihren Leib.
Das dunkle Heer es rückte an.
Dämonenbrut und Knochenmann
schritten zu dem großen Tor,
wo man sich nochmals Treue schwor.
Die Kessel standen schob bereit
zu spucken Pech, wenn es wär Zeit.
Die Drei, sie standen nun vereint
Um zu erwarten ihren Feind.
Und Feuer heiß fließt von den Mauern
auf die Feinde, die dort lauern.
Nur kurz zieht sich der Feind zurück,
dann wendet sich das Schlachtenglück.
Ein schrilles Singen ist zu hörn,
wie die Dunklen Treue schwörn,
wie sie rufen in der Nacht
ihres Meisters finstre Macht.
Und Kätzchen maunzt so laut wie nie:
"Oh hütet euch! Es ist index!"
Doch ehe sie zu Ende spricht,
hört sie wie das Tor zerbricht.
Das dunkle Heer stürmt schon herein
Und schlägt auf die drei Ritter ein.
Sir Athos aber ungerührt
rief während er sein Schwert noch führt:
"So haben wir in unsrer Feste
tatsächlich ungebetne Gäste.
Hat uns Bran nicht stets gelehrt,
wie man solche Gäste ehrt?
Drum Brüder lasst die Schwerter sprechen,
bis unsre treuen Klingen brechen!"
"Nein Athos, weicht nun zurück,
denn die Innenburg zum Glück
ist im Torgang noch zu schützen
wenn wir diesen Engpass nützen."
Befiehlt Sir Barnabas und weist,
zum Tor, dass Sicherheit verheißt.
"Du aber Kätzchen bist noch hier?
Nun lauf endlich, Du dummes Tier!"
Und Kätzchen stahl sich leise fort,
doch blieb es gut verborgen dort,
denn tief im Herzen war es treu,
so wild es war, so frech und scheu.
Und in jener dunklen Nacht
hielt es mit den Rittern Wacht.
Zwar schwor das Kätzchen keinen Eid
doch war's zu Sterben auch bereit.
Im Torweg stand man Seit an Seit,
zur Verteidigung bereit.
Und als dann ihre Schwerter sangen,
hört das Kätzchen voller Bangen,
erneut zum Ritual des Einen,
der Feinde Stimmen sich vereinen.
Und als ein Schatten sich erhebt,
fühlt es wie die Burg erbebt,
als ob der Horst nicht dulden wollt,
dass man seine Ritter holt.
Der Schatten senkt sich stumm hinab,
die Mauern bersten, brechen ab.
Verloren steht die kleine Schar,
in dem, was einst der Torweg war.
Sir Barnabas senkt stumm sein Schwert.
Was ist es auch im Kampf noch wert?
Wenn seiner Burg um ihn zerfällt,
als sei's das Ende dieser Welt.
Trotzig hob er dann sein Haupt:
"Schon einmal hat man mich beraubt,
mir meine eigne Burg entrissen,
die Dunklen sollten's besser wissen.
Meine Geduld ist nun vorbei,
auf die Pferde nun, ihr Zwei!"
Sire Athos wirkt verstört
und ruft dann aus, zutiefst empört:
"Wie meint ihr das? Wir sollen weg?
Ich weiche nicht von diesem Fleck!
Diese Burg hier ist mein Heim!
Lasse Euch doch nicht allein!"
Doch Aspin verharrt und schweigt,
während er sein Haupt leicht neigt.
Das Schwert liegt nun an Athos Kehle
"Ihr verweigert die Befehle?"
Athos wütend senkt das Haupt.
"Mein hoher Herr, wenn ihr erlaubt?"
Doch Barnabas fährt ihn nur an:
"Schweigt! Ihr seid ein Rittersmann!
Bei den Eid auf unsere Klingen,
ihr werden dies nach Stein nun bringen!"
Das Kätzchen ganz erschrocken späht,
was dort unten vor sich geht.
Und sieh: ein kleiner Gegenstand
wechselt nun von Hand zu Hand.
Sir Athos verneigte sich nur stumm
dann wendet er sich bitter um.
Allein das scharfe Katzenohr,
vernahm was sich im Lärm verlor:
die Worte Barnabas dabei,
geflüstert nur: "Mein Freund, verzeih"
Das Kätzchen lächelt: "Kluger Herr!
Schick beide fort, nichts hält Euch mehr!"
Sir Barnabas verharrt kurz stumm
Und wendet sich zu Aspin um:
"Die Finsterburg, sie ist nicht mehr.
Doch den Horst, geb ich nicht her.
Solang ich Mindoril noch halten kann
Stehe ich hier meinen Mann.
Ihr Aspin, hört: Gehorcht und geht!
Es reicht wenn hier EIN Ritter steht."
Doch Aspin schüttelt leicht das Haupt.
"Mein hoher Herr, wenn ihr erlaubt?
Sind auch Schlacht und Burg verloren,
so habt zu dienen ihr geschworen.
Nicht opfern dürft ihr euer Leben,
müsst unsrem Volke Hoffnung geben.
Nicht vorbei ist dieser Krieg.
Lebt und führt die unsrigen zum Sieg."
"Dann kommt mein Freund, und geht mit mir."
"Nein, mein Herr, mein Platz ist hier.
Zum nächsten Kampf braucht ihr mich nicht.
Hier allein liegt meine Pflicht.
Geht nach Stein, blickt nicht zurück.
Bellums Segen und viel Glück."
Sir Barnabas sah Aspin an,
sein Antlitz voller Reu und Scham,
zog er den Ring von seiner Hand,
der das Lehen an ihn band.
"So nehmt dann dieses Siegel an,
denn es gebührt allein dem Mann,
der in den letzen Kampf noch zieht
während jeder andre flieht."
"Man gab es Euch zu recht zum Lohn,
nun geht, die Dunklen kommen schon!"
"Mein Freund, Du gehst in Dein Verderben"
"Heut ist ein guter Tag zum sterben"
erwidert Aspin, lächelt leicht,
als er dem Herrn die Hand noch reicht.
"Seht: Athos ist davon gestürmt,
ihr habt ihn ja zutiefst erzürnt"
"Ich wollte ihn nicht sterben sehn,
und hieß ihn darum nun zu gehen.
Gewährt Bellum ihm ein langes Leben,
so mag er mir vielleicht vergeben.
Noch einmal bitt ich: komm doch mit,
in jeden Kampf warn wir zu dritt"
"Ihr wisst mein Freund, dass es nicht geht
Und mein Entschluss geschrieben steht.
Seht: Athos versucht gerad allein,
ein Ausfalltrupp zu Pferd zu sein"
Von fern man das Geräusch von Hufen
vernimmt und Athos lautes Rufen.
"Bellum schenk uns heute Flügel!
Vorwärts Brüder, nehmt die Zügel!
Niemals reite ich allein!
Will an Eurer Seite sein!
Lasst uns des Feindes Reihen brechen!
Uns und unsere Freunde rächen!"
Sir Barnabas besteigt sein Pferd,
seine Hand am Heft vom Schwert.
"Ich bin nun hin und her gerissen
Was befiehlt mir mein Gewissen?
Lass ich Aspin hier allein?
Soll ich an Athos Seite sein?
Ist mein Platz, denn nun in Stein?
Sollte hier mein Bleiben sein?
Welchem Ziel gehört mein Streben?
Sagt, wem schulde ich mein Leben?"
"Ohne Euch geht Athos nicht"
"Nun, dann kenn ich meine Pflicht.
Lebt wohl Aspin, reicht mir die Hand.
Für König und fürs Vaterland"
"Für Freundschaft, die auch noch besteht,
wenn's mit mir zu Ende geht"
Sir Barnabas wirkt leicht verloren,
dann fasst er sich und gibt die Sporen
seinem kriegserprobten Pferd
die Hand umfasst dabei das Schwert.
Das Kätzchen aber spitzt die Ohren
damit kein einzges Wort verloren
oder in jener Nacht vergessen geht,
bis es vor seinen Schöpfer steht.
Und von fern, ganz sacht und leis:
Athos Stimme, wie sie weiß:
"Hat Aspin den Ruf vernommen?"
"Er wird nie wieder mit uns kommen.
Kommt mein Freund, lasst uns nun reiten.
Ihr sollt an meiner Seite streiten"
Und am Ende jener Nacht
hielt ein Falke einsam Wacht
Stand noch Treu zu seinen Eid
die Burg zu schützen mit dem Leib.
Das Kätzchen sah ihn mit Bedauern
allein nun stehn zwischen den Mauern,
sah wie Feind um Feind sich nähert,
wie tapfer sich der Ritter wehrt.
Dann trat es aus dem Schatten raus
und fuhrt die scharfen Krallen aus.
"Oh Rittersmann, niemals allein
sollte man beim Sterben sein.
Ich selber habe sieben Leben,
eines will ich gerne geben,
und an Deiner Seite sein,
ist meine Hilfe auch so klein"
"Ich schickte meine Freunde fort,
weil Licht und Leben bald verdorrt,
der Tod lacht mir ins Angesicht
doch fürchte ich das Ende nicht.
Sieh, für jeden kommt die Zeit,
wenn ihn ruft die Ewigkeit.
Ich hab den Ruf so laut vernommen,
ich bin bereit, er mag nun kommen.
Doch die Götter, die Dich schufen,
haben sie Dich auch gerufen?
Eines musst du Dich noch fragen:
wer wird nun die Mäuse jagen?
Wer auf Meisters Schoss nun sitzen?
Wer wir Sir Athos Fisch stibitzen?
Einjeder tu, was er gut kann
und ich bin nur ein Rittersmann."
Sprach Aspin leis und lächelt leicht,
als es um seine Beine streicht.
Und Kätzchen blickt zum Schutt vom Tor,
wo sich die Spur des Herrn verlor.
"Ich gehe ja, und ohne Klage,
doch mein Ritter, eine Frage:
Was gab er ihm?" "Du ahnst es schon"
"Das Vermächtnis von Herrn Finion?"
"Wie klug mein kleines Kätzchen spricht!
Doch Athos selbst, er ahnt es nicht"
"Ach mein lieber Rittersmann,
kein Wort Dein Herz erschüttern kann?
Wofür gibst Du Dein Leben her?
Die Schlacht Du wendest niemals mehr."
"Ach Kätzchen kannst Du's nicht verstehn?
Die Seele selbst wird stets bestehn.
Ich binde sie an diesen Ort.
Doch du mein Kätzchen, eil nun fort.
Berichte treulich und auch wahr,
was in jener Nacht geschah.
Sprich von der Prüfung unsres Lebens,
von unsren Kampf, der nicht vergebens.
Lauf mein Kätzchen, lauf nun schnell.
Der Tag er naht, es wird schon hell."
Und dann im ersten Morgenstrahl
sein Leben er dem Herrn befahl.
Als Kätzchen floh, hört sie ihn rufen,
zu den Mächten die ihn schufen:
"Seht herab auf euer Kind!
Für Euch und für Siebenwind!"
Dann wurd es still, nichts hört man mehr,
allein den Lärm vom toten Heer.
Dann mit Tosen voller Wut,
erhebt sich aus dem Fluss die Flut,
zieht Burg und Heer voll Macht hinab
in ein kaltes nasses Grab.
Zurück blieb nur ein stiller See
und ein Flüstern: "Kätzchen, geh!"
So fand ein Ende jene Nacht.
Viel Leid hat sie hervorgebracht.
Viel zu schwer wiegt mancher Eid
Kostet Freundschaft, Freude, Leib.
Das Kätzchen aber lief durchs Land
Bis es ne arme Bardin fand.
Und berichtete getreu und wahr
was in jener Nacht geschah.
Die arme Bardin aber zieht
noch durchs Land und singt ihr Lied.
Und tief im See bei Tag und Nacht
Ein Rittergeist hält treu die Wacht.
Schützt den See vor Schmerz und Leid
Bis zum Ende aller Zeit.