Siebenwind Bote 163
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Ausgabe 163 -Mittentag, 30. Oner 19 nach Hilgorad
30. Oner - König gerettet¶
Da einige Spuren auf Etriska als möglichen Aufenthaltsort des Königs
hindeuteten, brach am 17. Oner eine Expedition dorthin auf. Man nahm ein
Tauchboot, das unter Wasser fahren kann, mit auf ein Schiff der Rothenburger
Handelsmarine. Angekommen in Etriska, begab sich eine kleine Truppe um Herrn
Toran Dur hinab in die See.
Dort fand man auch die Höhle, von der erzählt worden war, und betrat sie. Herr
Dur öffnete ein magisches Portal zwischen Schiff und Höhle, durch das die
gesamte Truppe hinab konnte. Dort angekommen, hatte man ein schreckliches Bild
vor sich: Es erstreckten sich dunkle lange Gänge, knietief gefüllt mit Wasser,
aus denen sich ein wahrer Strom aus Übeltätern ergoss. Diese waren offenbar
verrückt und kämpften wie besessen, so dass sie nicht festzunehmen waren und
allesamt durch ihren Wahnsinn ihr Leben ließen.
Nachdem man auf einem Floß einen unterirdischen Fluss überquert hatte, fand
man die Anführer. Zwei adlige Magier und ein widernatürlich großer Krieger
waren es, denen ebenfalls nicht mit Vernunft beizukommen war. So fanden auch
diese drei ihren gerechten Tod. Hinter allem steckte Quellen zufolge ein
ehemaliger Berater am königlichen Hofe, ein gewisser Ignatius von Mendel. Doch
auch sein Verrat vermochte nichts gegen die gerechte Herrschaft des Königs zu
bewirken.
Interessanterweise fand sich im Gefolge dieses Unmenschen auch eine
Mitarbeiterin des Draconer Spatzen, namentlich Ziska Himmelmann. Dies erklärt,
wie der Draconer Spatz, nicht im Geringsten für Seriosität bekannt, immer über
neueste und korrekte Nachrichten in dem Fall verfügte: Er produzierte sie
einfach selbst. Lassen wir uns dies alle eine Erinnerung daran sein, was man
von Blättern zu halten hat, die ihre Aufgabe nicht mit dem gebotenen Ernst
verfolgen.
In der Höhle, in der der Kampf gegen die Entführer stand, befand sich zudem
noch eine merkwürdige Maschine, hinter der sich Ranken verborgen, die Menschen
umschlungen und ihnen geradewegs das Leben aus dem Leib saugten. Für die armen
Seelen war jedoch alle Hilfe bereits zu spät. Offenbar hielt die Maschine
magische Sperren in Gang, die König und Adel gefangen hielten.
Wenig weiter war auch der entführte Adel, hinter einem weiteren, nun leicht zu
öffnenden Tor fanden sich König und Hochadel. Alle waren am Leben und wurden
unverzüglich durch ein magisches Tor auf das Schiff verbracht. Erst als der
König gefunden wurde, bemerkten die Retter, dass die Königin sich unbekannt in
Rüstung und Schwert unter sie gemischt hatte. Als ihr Gemahl gefunden war, gab
sie die Tarnung jedoch auf und eilte sogleich zu ihm. Das Volk wird es freuen,
dass es eine nicht nur schöne und weise, sondern auch mutige und starke
Königin hat.
Der König war gesund, doch ohnmächtig, und wurde in die Kajüte des Kapitäns
verbracht. Am nächsten Tag traf man ein Schiff der königlichen Marine, das
sämtliche Adlige aufnahm. Schon am 22. Oner waren die tapferen Recken zurück
auf Siebenwind, mit dem glücklichen Gefühl, das Reich vor einem finsteren
Anschlag gerettet zu haben.
Quelle: T.H.
R.M.
30. Oner - Königin dankt den Rettern¶
Die Königin hat im Namen ihres Gemahls bei einem Fest auf dem Turnierplatz
Falkensees jenen persönlich gedankt, die bei der Expedition zugegen waren, die
den König retteten, sowie allen, die sonst Unterstützung gewährten und so zur
Rettung beitrugen.
Überraschend kam sie durch ein magisches Portal an, um das Volk unserer
prächtigen kleinen Insel für seinen Einsatz und Mut zu loben. Einige, die sich
besonders hervorgetan hatten, erhielten die Ehre, namentlich genannt und
geladen zu werden, um Geschenke zu erhalten. Sicherlich werden diese als ganz
besondere Schätze in Ehren gehalten werden, mit der freudigen Erinnerung an
die Begegnung mit der verehrungswürdigen Königin. Der König selbst war
bedauerlicherweise zu geschwächt, um selbst zu erscheinen, doch
erfreulicherweise war zu hören, dass er sich auf dem besten Wege der Besserung
befindet.
Mittlerweile ist die königliche Flotte auf dem Weg zurück zum Festland, wo das
Königspaar erst einmal alles ordnen und die wogen glätten muss, bevor das
Reich wieder wie gewohnt funktioniert. Dies mag eine große Aufgabe erscheinen,
doch wurde uns schon oft genug aufgezeigt, dass wir einen wahrlich großen
König haben.
R.M.
30. Oner - Entführung des Barons¶
Der 12. Seker war ein Tag mit starken Stürmen, die Straßen Falkensees
überflutet von Wasser. Schon den Tag zuvor hatte es Unwetter gegeben. Niemand
ahnte, was sich zum siebten Dunkelzyklus auf dem Turnierplatz abspielen
sollte.
Der Baron persönlich sollte zu uns sprechen, nach längerer Abwesenheit wieder
auf die Insel zurückgekehrt. Begleitet von seiner Garde schritten Ihro Gnaden
zum hastig auf dem Turnierplatz errichteten Rednerpult. Ihro Gnaden sprachen
von den chaotischen Zuständen im Reich seit dem Verschwinden Ihrer Majestät,
den Sorgen, die wir alle mit uns tragen.
Ein Zeichen sollte wirklich gesetzt werden. Unser geliebter Baron kündigte an,
sich um den durch das Verschwinden Ihrer Hoheit vakant gewordenen Thron zu
bemühen. Doch damit nicht genug der Überraschungen: Kaum waren die Worte
ausgesprochen, standen Ihro Gnaden ein plötzlicher Schmerz ins Gesicht
geschrieben. Ohne Vorwarnung zogen gar unnatürlich wirkende Wolken auf und
Ihro Gnaden verschwanden, ohne Ankündigung, in einem Wimpernschlag. Gleich
darauf entludt sich ein Gewitter aus jener unnatürlichen Wolke. Blitze zuckten
herab und setzten den Platz in Flammen, nur kurz darauf verzog sich die
erwähnte Wolke wieder.
Völlig überrascht traf dies nicht nur uns Volk, das da war, sondern auch die
Baronsgarde. Den Recken stand der Schreck ins Gesicht geschrieben und sogleich
machten sie sich auf, die Umgebung abzusuchen. Doch nichts konnten sie finden,
trotz aller Bemühungen. In aller Schnelle wurden Suchtrupps gebildet, um die
gesamte Insel zu durchkämmen. Doch bislang ohne Erfolg. Der Baron scheint wie
vom Erdboden verschluckt. Die Ritterschaft nicht für eine Stellungsnahme
verfügbar, die Suche nahm alle Kapazitäten in Anspruch.
Während des Vorgangs befanden sich etliche Magi im Publikum, die jedoch nichts
weiter erkennen konnten. Auch eine ausführlichere arkane Analyse im Anschluss
brachte keine neuen Einsichten in den Verbleib des Barons oder die Vorgänge
seines Verschwindens. Es gab keinerlei Informationen, wo unser geliebter Baron
war oder wie es geschehen konnte, dass er einfach verschwand.
Ein denkwürdiger Umstand ist weiter, dass die stadtbekannte Schelmin Frau
Morgen, die bei der Rede zugegen war, sich kurz darauf meldete und verkündete,
sie habe in ihrer Glaskugel die Ereignisse beobachten können. Auf dem
Turnierplatz habe sich in der Mitte ein dichter Klumpen schwarzen Nebels
befunden. Mit Beginn der ungewöhnlichen Ereignisses habe sich dieser Klumpen
ausgebreitet, dann sei die Vision beendet gewesen. Frau Morgen hat offenbar
etwas Wichtiges gesehen, doch ist noch nicht klar, wie dies zu deuten ist.
Noch eine Merkwürdigkeit besteht darin, dass kurz vor der Rede eine dunkle
Gestalt davon sprach, dem Baron den Tod zu wünschen.
R.M.
30. Oner - Suche nach dem Baron¶
Nach dem überraschenden und schockierenden Verschwinden des Barons bemühten
Baronsgarde, Magierakademie, Ritterschaft und sämtliche anderen königstreuen
Bürger der Insel sich, Ihro Gnaden ausfindig zu machen. Über die Entführer ist
nichts bekannt, und so müsste befürchtet werden, dass das Leben des Barons
bedroht ist. Deshalb musste die Suche mit allen Kräften und aller
Geschwindigkeit vorangetrieben werden. Vier Spuren sind bekannt geworden:
Die erste betrifft den von Frau Morgen entdeckten und oben erwähnten Nebel,
der für die Augen der Anwesenden unsichtbar war. Ein Gardist der Ritterschaft
erkannte diesen Nebel, er hatte ihn schon einmal bei einem Berg im Ödland
gesehen.
Beim Verschwinden des Barons konnten seine Leibgardisten zwei männliche,
menschliche Hände (mit schmutzigen Fingernägeln) sehen, die ihn ergriffen,
just als er verschwand. Zugeordnet wird dies zunächst schwarzer Magie. Auch
hier ist eine Verbindung ins Ödland zu vermuten.
Zudem wurde eine übergroße Rabenfeder gefunden. Es wird vermutet, dass diese
zu einem geflügelten Dämon gehört, der bereits früher auftrat (und bereits
einmal das Wetter manipulierte). Jener Dämon hat sich scheinbar von seinem
dunklen Herrn losgesagt, es kann jedoch nur vermutet werden, was die Motive
der schrecklichen Kreatur sind. Alsbald soll ein Ritual stattfinden, um die
Feder genau zu untersuchen und ihren Besitzer aufzuspüren.
Ein weiterer Dämon wurde im Ödland gesichtet. Er scheint Horden untoter
Kreaturen zu befehligen. Weiteres ist dem Boten zu diesem Zeitpunkt jedoch
nicht bekannt.
So scheinen die Spuren zunächst einmal ins Ödland zu führen. Möglich ist
natürlich auch, dass sich mehrere oder gar alle diese Spuren derselben Entität
zuordnen lassen. Wahrscheinlich ist, dass sie alle zu Orten auf dieser Insel
führen. Nun sind jedoch die Helden der Insel gefordert, den Spuren
nachzugehen, mehr herauszufinden und am Ende den Baron aus den Klauen seiner
Entführer zu befreien. Unser Herz ist bei diesen mutigen Recken und Frauen.
Quelle: S.G.
R.M.
30. Oner - Attentat auf Baronsgarde¶
Am 17. Seker trug sich auf der Insel gar Unglaubliches zu. Die allseits
bekannte und bislang beliebte Bankiersfrau Hartwine Hilamos begab sich zur
Burg und forderte Einlass. Sie habe etwas mit einem Ritter zu besprechen. Zu
dieser Zeit befand sich die Königin auf dem Burghof. Auf Ihre Majestät hatte
sie es offenbar abgesehen – mit eine Anzahl mitgebrachter Sprengtränke
versuchte sie, Ihrer Majestät das Leben zu nehmen. Dies verhinderte jedoch der
tapfere Baronsgardist Hendwig, der sie aufhielt und bei der folgenden
Explosion sein Leben gab, ebenso wie die verwirrte Bänkerin. Weitere Opfer
sind glücklicherweise nicht zu beklagen, ihre Majestät blieben unverletzt. Vor
dem niederträchtigen Anschlag sprach die Mörderin wirr, kündigte an, all dies
sei erst der Beginn eines Größeren.
Vor ihrer Ankunft hatte man in der Burg schon eine große, doch starke
Explosion vernommen. Diese rührte vom Schiff des Barons, auf dem sich zu
diesem Zeitpunkt der Rest der Garde des Barons befand. Offenbar wurde das
Schiff bei einer enormen, nicht magischen Explosion völlig zerstört.
Überlebende wurden nicht gefunden, so muss davon ausgegangen werden, dass
damit die komplette Baronsgarde ermordet ist. Bei diesen tapferen Recken, die
ihre Treue zu Krone und Baron mit dem Leben bezahlen mussten, sind nun unsere
Gebete.
Ob Hartwine Hilamos ebenfalls für die Explosion des Schiffes verantwortlich
ist, muss noch geklärt werden. Mit dem Schiff selbst wurden auch alle
möglicherweise vorhandenen Spuren vernichtet. Es scheint zunächst unmöglich
für eine einzelne Frau, so etwas vollbracht zu haben, doch kann dies natürlich
nicht ausgeschlossen werden. Schließlich hätte auch niemand auf dieser Insel
glauben mögen, dass die Bankiersfrau versuchen würde, die Königin zu ermorden.
Es wird angenommen, dass Frau Hilamos schon lange Zeit auf diesen Tag gewartet
hat und vorbereitet war. Was ihr Motive sind, kann wohl niemand sagen, oder
wer sie für diesen schaurigen und unheiligen Zweck rekrutierte. Anzunehmen
ist, dass weitere wie sie im Königreich existieren. Den Boten erreichten
Berichte von einer einfachen Schneiderin auf dem Festland, die im Keller ihres
Hauses große Mengen explosiver Tränke sammelte.
R.M.
30. Oner - Ansprache der Königin¶
In Falkensee bot sich dem Volke ein erfreulicher Anblick: Die Königin zeigte
sich, um eine kurze Rede zu halten. Sie scheint sich von den Strapazen der
letzten Zeit gut erholt zu haben. Standesgemäß in ein weißes Kleid aus edlen
Stoffen gekleidet, zeigte sich sich wach und interessiert an der Suche nach
Ihrer Majestät und den Problem dieser Zeit.
Sie versicherte dem Volk, dass sie sich der schweren Zeiten bewusst sei. Aber
dennoch müsse man weiterleben wie bislang, müsse die Ordnung beibehalten
werden. Dies sei notwendig, um den König wiederfinden zu können. Und wer
könnte ein größeres und ehrlicheres Interesse haben, Ihre Majestät
zurückzuholen, als die Königin?
Noch dazu bot sie großmütig an, Probleme aus dem Volk dürften an sie
herangetragen werden. Schließlich sei sie die Dienerin des Volkes und nicht
umgekehrt, begründete sie.
Die Königin in gutem Zustand und zuversichtlich zu sehen, war ein gutes
Zeichen für die Insel, und gab uns Hoffnung, uns der Suche weiter mit ganzem
Herzen zu widmen.
R.M.
30. Oner - Titanisches Schiff in der Gabha-Werft zu Venturia auf Kiel gelegt¶
Ungeachtet der Wirrungen, die das Großreich durch die Entführung des Königs
durchmachen musste, und die auch jetzt nach Befreiung seiner Majestät noch
lange nicht wieder zur Ruhe gekommen sind, wurde direkt nach Ende des
Dunkeltiefs in den Gabha-Werften Venturias mit einem wahrhaft revolutionären
Projekt begonnen. Dort entsteht zur Zeit ein Schiff, dass alles bisher da
gewesene in den Schatten stellen soll. So soll es eine Länge von über 40
Schritt erreichen, aber durch die Verwendung moderner Gaffelsegel zusätzlich
zur konventionellen Rahbetakelung dennoch hohe Geschwindigkeiten erreichen
können. Besonderer Stolz der Werft ist aber die Sicherheit des Schiffes.
Erstmalig wird im Schiffsbau im großen Rahmen Metall statt Holz eingesetzt. So
wird der gesamte Schiffsrumpf aus vernieteten Eisenplatten gefertigt, die
Sparren sogar aus Bronze, die sonst vornehmlich aus dem Rüstungsbau bekannt
ist. Zusätzlich soll der Rumpf des Schiffes durch aus dem Bergbau bekannte
wasserfeste Türen, so genannte Schotte, unterteilt werden. „Selbst wenn einmal
ein Leck entstehen sollte, kann sich das Wasser so nicht im ganzen Rumpf
verteilen, und das Schiff bleibt schwimmfähig. Selbst wenn Xan selbst es
packen und so gewaltig gegen ein Riff schleudern würde, dass der Rumpf reißt,
sinken würde es auch dann nicht“ erläuterte der Werftmeister und
Chefkonstrukteur Swerdan Samoth diese Neuerung. Aufgrund dieser
unverwüstlichen Eigenschaften wurde auch der Name des Schiffes gewählt, das
bei seinem Stapellauf „Rorsa“ getauft werden soll, nach der unbezwingbaren
ersten Titanteij Bellums.
Deck und Inneres des Schiffes sollen dagegen den Passagieren größtmöglichen
Luxus bieten und eher an das Innere eines Palastes als eines Schiffes
erinnern. So sind geräumige Luxuskabinen ebenso geplant wie eine große
Schiffsmesse, die auch als Ballsaal nutzbar sein soll. Auch sollen eigene
Bereiche des Achter- und Vorderdecks so gestaltet werden, dass die Passagiere
die Möglichkeit erhalten, dort ohne Störung durch die Schiffsbesatzung zu
flanieren und den Ausblick auf die ewige See zu genießen.
Noch ist dies natürlich alles Zukunftsmusik, und die „Rorsa“ wird zum
Zeitpunkt der Drucklegung dieses Artikels aus noch nicht viel mehr als einem
gewaltigen Kiel und Spanten aus Bronze bestehen, an denen die ersten
Eisenplatten der Rumpfbeplankung befestigt wurden. Aber sollte sich der Traum
von Eigner und Schiffsbauern bewahrheiten, wird Galadon in wenigen Monden ein
wahres Weltwunder der Schiffsbaukunst sein eigen nennen, das selbst die
gepriesenen Schiffe der Nortraven wie zerbrechliche Nussschalen da stehen
lassen wird.
A.R.d.M.
30. Oner - Stadtwache Ventria verweist Wachtwebel und acht Gefreite des Dienstes
Erschreckende Neuigkeiten erreichen uns aus Ventria, der Hauptstadt des
Herzogtums Taras. Dorian Fierensberg, Hauptmann der Stadtwachen zu Ventria,
entschuldigte sich in einer öffentlichen Bekanntmachung für das Verhalten der
siebenten Wachgarnison zu Ventria, die sich am Festland in den letzten Wochen
besonders durch rüpelhaftes Auftreten einen Namen machte.
In den Zeiten in denen das Reich geschwächt durch das Verschwinden des
königlichen Paares ist, erwartet man von Institutionen wie den Stadtgarden,
daß sie souverän und ruhig für Ordnung sorgen, auf daß die Straßen der Städte
des Reiches sicher bleiben, wenn auch die Lage des Großreiches
besorgniserregend ist. Die siebente Wachgarnison Ventrias blieb hier jedoch
die unrühmliche Ausnahme.
Vom oberen Hafenbereich bis hin zum Handwerkermarkt entlang der Königin-
Levara-Straße führt das Einzugsgebiet der genannten Einheit der Ventrischen
Stadtwache, mit immerhin einem Stadttor, einem der bedeutendstem Märkte des
Herzogtums und der bekannten Kesselflickerstrasse, deren Feinwerker mit ihre
Waren bis nach Ersont hinauf bekannt sind.
Auffällig wurden erstmalig zwei Gefreiter, unter ihnen der später noch
mehrfach auffällig gewordene Komdan Ebelshaupt. Als unweit der
Kesselflickerstrasse ein dreister Überfall auf ein Gespann des bekannten
Bernsteiner Handelshauses Narlei gemeldet wurde, reagierten die Gefreiten mit
spöttischen Kommentaren, und kamen erst nach mehrfacher Aufforderung durch den
Gespannführer und den hinzukommenden Passanten ihrer Aufgabe nach.
Durch den für die siebente Wachgarnison Ventrias zuständigen Wachtwebel
Varenstein unverständlicherweise nicht verwarnt, gingen die Gefreiten wie
gewohnt weiter ihrem Dienst nach.
Wiederum auffällig wurde derselbe Gefreite Ebelshaupt zusammen mit einem
weiteren Stadtgardisten nur Stunden vor einem der feigen Anschläge mit
explosiven Mischungen, von denen auch nicht verschont blieb. In für
Stadtgardisten unangemessener gänzlich goldener Plattenrüstung zeigten beide
sich in der Stadtbekannten Schänke 'zum wilden Mann', um bereits zum fünften
Zyklus zu zechen, und aus den Fenstern ebendieser Schänke tatenlos zu
beobachten, wie ein Unbekannter sich und mindestens siebzehn weitere Menschen
inmitten dreier Marktstände mittels zahlreicher umgeschnallter Sprengtränke
tötete.
Ebelshaupt fiel weiterhin mehrfach durch ungehobeltes Verhalten bis hin zu
Beleidigungen von Freien und Bürgern auf, verwies Händler grundlos des Marktes
wurde zweimal bei unnötiger Brutalität gegenüber für nur kleine Vergehen für
wenige Stunden inhaftierte Personen beobachtet.
Nur drei Tage später schließlich ereilte die siebte und fünfte Wachgarnison
der Stadtwache zu Ventria ein Hilferuf durch einige Händler die soeben das
angrenzende Stadttor passierten – eine räuberische Bande von etwa dreißig Mann
belagere die Reichsstrasse und habe bereits einen Ersonter Handelszug
überfallen der gerade geplündert werde.
Während die fünfte Wachgarnison mit fünfundzwanzig Mann komplett ausrückte,
berief sich die siebente Wachgarnison mit weiteren fünfundzwanzig Mann unter
Führung des bereits erwähnten Wachtwebels Varenstein auf ihre Tätigkeit als
'Stadtwache', und führten den normalen Wachdienst fort.
Unter Führung von Wachtwebel Karis Aldemar gelang es der zahlenmäßig
unterlegenen fünften Wachgarnison dennoch, die Räuberbande in die Flucht zu
schlagen.
Erst die Beschwerde einiger Händler bei Hauptmann Dorian Fierensberg führte
schließlich zu einer Untersuchung der Vorfälle. Wachtwebel Varenstein und acht
Gefreite, angeführt vom Gefreiten Ebelshaupt, wurden nach Offenlegung weiterer
kritischer Fälle des Dienstes verwiesen, über eine schwerwiegendere Strafe
Varensteins und Ebelhaupts wird gesprochen. Die verbleibenden Wächter der
siebenten Garnison wurden auf die anderen Garnisonen der Stadt aufgeteilt, das
Gebiet der temporär von der sechsten und achten Garnison mit überwacht, bis
eine neue Truppe gebildet wurde.
In Anbetracht dieser erschreckenden Vorkommnisse bleibt zu hoffen, daß die Wachen aller Lehen ihr Verhalten streng selbst überprüfen, und verstärkt auf Disziplin und Pflichtbewusstsein achten. Den Freien und Bürgern der Städte bleibt, nicht still zu verharren wenn derartige Vergehen der Stadtwachen offensichtlich werden, sondern in aller Form bei den jeweiligen Vorgesetzten in Form von den Leitern der jeweiligen Wachen oder gar übergeordneten Insititution (wie im Falle Siebenwinds z.B. Ritter Laske, der als Vertreter der Ritterschaft für die Stadtwache zu Falkensee zuständig ist) Beschwerde einzulegen.
K.T.
30. Oner - Konvent der Graumagier¶
Am 7. Sekar fand in der Burg zu Brandenstein ein Konvent der Magi des Pfades
zur Mitte statt, und auch derwar zugegen, um von diesem Ereignis zu
berichten. Das Treffen diente dem Zweck, die Anstrengungen der verschiedenen
Gruppen des Pfades besser zu koordinieren und zu bündeln, um die Bemühungen
der Magi um eine sicherere Insel besser gedeihen zu lassen, als dies unter den
verschiedenen Einzelgruppierungen möglich wäre.
Erster Punkt war die Erarbeitung einer Charta, die einen Ehrenkodex der
Graumagier darstellen soll. Die eigentliche Ausarbeitung wird in einem
kleineren Rahmen stattfinden; der Beschluss, zu beginnen, sowie erste
Eckpunkte wurden jedoch bereits auf dem Konvent beschlossen. Jene Charta soll
ferner die Rechte und Pflichten der Pfadleitung zur Mitte regeln. Als ersten
Schritt beschloss der Konvent, den Erzmagus künftig zu wählen.
Doch genau dabei sollte sich ein wahrer Eklat, ein niederträchtiger Anschlag
zutragen. Außer der bis dahin amtierenden Erzmaga Kida Gilwen stellten sich
Toran Dur und Elyran zur Wahl. Eine weitere zwielichtige Gestalt tauchte auf,
die sich berufen sah, künftig die Pfadleitung anzutreten. Es handelte sich um
eine Person, die sich als Komtessa Isabella von Lichtenau vorstellte.
Die vorgebliche Komtessa wirkte Magie auf Anwesende, man sah sich genötigt,
sie zu entfernen. Dem widersetzte sie sich bitterlich, konnte jedoch nichts
ausrichten. Selbst dämonische Kreaturen rief sie herbei, die jedoch gegen die
arkane Schlagkraft des grauen Pfades nichts ausrichten konnten und bald
vernichtet waren. Gar grausig war der Anblick der götterlästerlichen Kreaturen
jedoch allemal, es ging einem durch Mark und Bein und keinem Gläubigen wünscht
man, dass sein Blick auf Derartiges falle.
Nach Beseitigung der Störung konnte denn alsbald die Spitze des Pfades neu
besetzt werden, die Wahl begann. Auf Frau Gilwen entfielen zwei Stimmen, Herr
Dur erhielt sieben. Anwesend waren elf Magi, damit gab es zwei Enthaltungen.
Somit leitet nun Toran Dur den Pfad zur Mitte und steht allen grauen Magi vor,
gleich ob der Akademie, einer Gilde oder gar keiner Organisation zugehörig.
Herr Dur nahm die Wahl an und versprach, sogleich die Ausarbeitung erwähnter
Charta voranzutreiben. Ein jeder ist eingeladen, daran teilzunehmen. Sobald
der Text ausformuliert ist, soll ein weiterer Konvent einberufen werden, um
die Ergebnisse zu präsentieren und die gesamte Charta zu verabschieden. Der
Termin wird bekannt gegeben.
R.M.
30. Oner - Rezension: „Märchen und wie man sie vermeidet“ von Agatha Sumpfendotter
Waren früher Bücher noch fast ausschließlich wissenschaftliche Kompendien oder
Niederschriften historischer Ereignisse, hat sich bereits vor längerem die von
den Hochelfen übernommene Gattung der Trivialliteratur etabliert, mit dessen
zur Zeit markantesten Vertreter, „Flammen der Leidenschaft“ von G. Anwin, sich
derin der letzten Ausgabe befasste.
Zunehmend an Beliebtheit gewinnt aber in den letzten Jahren auch die Gattung
der populären Sachliteratur, die zum Ziel hat, Fakten und Sachthemen auf
interessante und allgemeinverständliche Weise zu präsentieren und sie so über
die Fachwelt hinaus der Allgemeinheit zugänglich zu machen.
„Märchen und wie man sie vermeidet“ ist ein solches populäres Sachbuch, das
sich, wie der Name bereits vermuten lässt, mit mystischen und mythischen
Kreaturen und Begebenheiten befasst, diese vorstellt, und dem geneigten Leser
Empfehlungen im Umgang mit ihnen zur Hand gibt.
Das Buch aus der Presse des Einhornverlages aus Yota ist in von guter
Verarbeitung und in rotes Leder gebunden. Auf den rund hundert anschaulich
illustrierten Seiten wird dabei ausgiebig auf alle möglichen Themen von
„Aberglaube“ über „Dunkeltief“ und „Sichelzahngnoll“ bis zu „Zombie“
eingegangen. Die jeweiligen Einträge lesen sich dabei flüssig und kommen
weitgehend ohne Fachvokabular aus, so dass sie auch für Laien gut verständlich
sind. Darin zeigt das Buch auch seine größte Stärke. Es ist unterhaltsam,
voller amüsanter bis gruseliger Anekdoten und ausgiebig illustriert, und damit
das ideale Werk um darin zu schmökern und etwas Kurzweil zu suchen. Zudem
bietet es eine hervorragende übersicht über den gängigen Volksglauben und
–Aberglauben.
Ein fataler Fehler wäre es dagegen, „Märchen und wie man sie vermeidet“
tatsächlich als seriöses Nachschlagewerk anzusehen und es entsprechend zu
verwenden. Betrachtet man die einzelnen Einträge nämlich genauer, kommt man
rasch zum Ergebnis, dass es sich tatsächlich fast ausschließlich um
Niederschriften gängiger Gerüchte und Mythen handelt. Eine Überprüfung dieser
Volksglauben auf ihre Richtigkeit scheint weitgehend nicht stattgefunden zu
haben. So wird zum Beispiel zur Abwehr des „Bösen Blickes“ von Hexen das
Tragen eines Kranzes aus Hexenwurzblüten empfohlen, welche doch, wie jüngst
vom berühmten Arcano-Alchemisten Alembik Athanor bewiesen, nur als heißer
Aufguß gegen Blähungen, keineswegs aber gegen Hexenflüche helfen. Und dabei
handelt es sich noch um eine der ungefährlichen Fehlinformationen, ist doch
das Tragen von Hexenwurzblüten zumindest nicht schädlich. Weitaus bedenklicher
sind Empfehlungen wie das Einreiben mit Ochsenblut zum Schutz vor dem
Sichelzahngnoll, das Ausräuchern von Geistern mittels Verbrennens von
mindestens einem Pfund Nachtschatten oder das Verbringen des Dunkeltiefs
festgekettet auf einem rautenförmigen Tisch.
Alles in allem ist zu sagen, dass man mit „Märchen und wie man sie vermeidet“
eine kurzweilige und unterhaltsame Lektüre erhält, die aufgrund der
hochwertigen Verarbeitung des Buches auch fast für die Ewigkeit geschaffen
scheint. Wer aber tatsächlich Interesse an mythischen Wesen und Begebenheiten
zeigt oder gar nach Ratschlägen zu einem entsprechenden Umgang sucht, ist mit
dem, zwar nicht ganz so flüssig lesbaren aber dafür hochseriösen, Sachwerk
„Kleiner Almanach übernatürlicher Wesen und Phänomene“ aus der Feder des
respektierten Forschers und Mystikers Dr. Abdolus Nachengalle deutlich besser
beraten.
A.R.d.M.
30. Oner - Wiedereröffnung des Seiltänzers¶
Im Fremdenviertel lebt ein alter Name wieder auf: die Taverne zum Seiltänzer.
Erst vor ein paar Tagen öffnete sie wieder ihre Pforten, um die Gäste mit
Speisen aus dem fernen Endophal zu verwöhnen. Im Vergleich zu den Erfahrungen
bei der Rezension des Güldenen Draconis war es im Seiltänzer weitaus
einfacher, jemanden anzutreffen. Die Wirtin lässt es sich auch nicht nehmen,
eintretende Gäste persönlich zu begrüßen.
Nur mit Glück war noch ein Platz am Tisch zu bekommen, in einem von Vorhängen
abgetrennten kleinen Bereich. Die Einrichtung besteht überhaupt aus sehr viel
Stoff. Auch die Wände werden von Vorhängen geschmückt, platz nimmt man auf
bequemen Sitzkissen - so, wie wir wenig Herumgekommene und das ferne Endophal
vorstellen.
Bedient wird sehr schnell und freundlich, die Zubereitung des Essens nimmt
wenig Zeit in Anspruch. Zunächst kam ein Pfirsichsaft, frisch und fruchtig.
Der bestellte Falafel entpuppte sich wenig später als einige kleine Bällchen
aus Mais und Gemüse mit Salat und einer weißen, frischen Soße in einer ganz
außergewöhnlichen Brottasche. Ein füllendes Gericht, das den Gaumen mit
unbekannten Geschmäckern erfreute, ohne zu scharf zu sein. Einiges anderes
soll dagegen deutlich auf der Zunge brennen, doch kann man sich ja immer
während der Bestellung bei der freundlichen Wirtin versichern, dass man das
für den eigenen Geschmack Passende wählt.
Die Karte wird künftig öfters etwas Neues bieten, ist zu hören. Man kann sich
nur wünschen, dass sich dies bewahrheitet, dann lohnen sich weitere Besuche
stets genauso, wie es der erste tat. Auch der Schankraum ist es sicher immer
wieder wert.
Zum Seiltänzer – Falkensee, Fremdenviertel – Falafel: 50 Dukaten; Pfirsichsaft: 15 Dukaten
R.M.
30. Oner - Zum Reichskorrespondenten¶
Seit einiger Zeit kursiert auf unserem Eiland eine Publikation unklarer
Herkunft mit Namen „Reichskorrespondent“. Der Titel suggeriert
Festlandsherkunft, vielleicht gar wichtige Quellen aus Draconis selbst, und in
der Tat scheint der Reichskorrespondent über aktuelle Informationen vom
Festland zu verfügen – die Seriösität dieser Informationen kann jedoch nur
bedingt belegt werden, ebenso könnte es sich um Gerüchte oder gar
Fehlinformationen handeln. Zudem fehlt jener Zeitung, kommt ihr Stil auch
jenem seriöser Veröffentlichungen gleich, ein valides Impressum, ebenso wenig
scheinen die Urheber über eine Druckpresse, jenes essentielle Gerät jeder
seriösen Redaktion, zu verfügen.
Dermöchte seine Leserschaft eindringlich vor der
unreflektierten Lektüre des Reichskorrespondenten warnen, und empfiehlt, stets
kritisch zu hinterfragen.
K.T.
30. Oner - Abonnements des Boten¶
Die Redaktion möchte auf diesem Wege die interessierte Leserschaft daran
erinnern, daß Abonnements des Boten wieder möglich sind.
Interessenten bezahlen die gewünschte Anzahl an Ausgaben im voraus, geben ihre
Adresse an und bekommen die Anzahl an abonnierten Ausgaben des Boten
kostenfrei zugestellt.
Die Bestellung eines Abonnements kann persönlich oder schriftlich von Statten
gehen, im zweiten Falle wird ein Termin zur Bezahlung vereinbart.
K.T.