Die Kirche der Viere in Galadon
Die Kirche der Viere in Galadon
Jeder Galadonier weiß, dass es die Vier Guten Götter gibt, die ihnen das Leben ermöglichen und ihnen das Schöne schenken, das Starke, das Gute, das Wahre, die Erlösung, die Hoffnung.
Und jeder weiß, dass die Götter sich seit jeher Sterbliche erwählen, um Kunde von ihnen zu geben, in ihrem Sinne zu handeln und Wunder zu tun.
Die größte Vereinigung dieser Auserwählten ist die Kirche der Viere, die sich aus vielen Orden, Zirkeln und Gemeinschaften zusammensetzt, deren Mitgliederstärksten der Orden des Allsehnden Auge Astraels, der Orden von Vitamas Lieblichen Kelche, der Orden vom Ruhenden Hauche Morsans und der Orden vom Heiligen Schwerte Bellums.
Von Gelehrten wird die Gemeinschaft der Geweihten gerne als Baum beschrieben, dessen Wurzeln das Volk sind, der Stamm die Kirche und von ihm gehen ab, all die Äste der Orden, die Zweige der Schulen und die Blätter der Gemeinden...
Dieses Bild ist zwar treffend und die Bürger Galadons werden nicken und es verstehen, jedoch ist es etwas geschönt, denn die Diener der Götter auf Tare sind auch nur Menschen. Und auch ohne die menschlichen Makel von Unverstehen, Unbedenken und Selbstbetrug, mag es den großen, unergründlichen Göttern gefallen, ihre Diener auf die Probe zu stellen.
Auch wenn nicht oft darüber gesprochen wird, so gibt es selbst innerhalb der Kirche Uneinigkeit oder Ratlosigkeit ob mancher Themen oder Begebenheiten.
So fochten in den Kriegen Galadons auf beiden Seiten bellumstreue und götterfürchtige Männer und Frauen gegeneinander und selbst die Weisesten haben manchmal Erklärungsnot, das Handeln der Viere in diesen Fällen zu erklären...
Gleichsam ist nicht einheitlich erklärt, in welcher Weise sich der Klerus in die Geschicke von Handel, Gesezt und Kriegsführung einbringen solle.
Seit dem 12ten Jahr der Herrschaft von König Arakam II. Ap Galad, also seit den Kindertagen des heutigen Großreiches, gilt der Glaube an die Viere als gewählte Religion der Könige und demnach die, allen Volkes.
Über die Jahrtausende hat sich das empfohlene oder vorgeschriebene Verhalten gegenüber den Geweihten der Viere und den Andersgläubigen stets gewandelt, wie sich auch das Königreich gewandelt hat.
Heute ist Galadon so groß, dass Neugikeiten von Draconis Jahre brauchen, bis sie in jedem Teil des Landes verkündet wurden ... und manchmal ereilt die Botschaft auf diesem langen Weg auch manch seltsame Veränderung. Aufgrund dieser langsamen Verbreitung von Neugikeiten, ist die Herrschaft bemüht, schlichte und klare Ordnungen bestehen zu lassen.
So gilt für die Kirche derzeit, dass ihre Rechte, wie sie auf dem gesiegelten Pergament der Krone stehen, sehr einfach ausfallen: Kein Bürger Galadons soll Hand anlegen an einen Diener der Viere und er möge ihnen Achtung und Gehör entgegenbringen. Jeder Bürger Galadons sei aufgefordert und angehalten, Spende zu geben.
Mehr ist es nicht, was geschrieben steht.
Nun ist es aber so, dass die Kirche in weiten Teilen Galadons angestammte Rechte und Befugnisse hat, die von dem Gros der Bürger als angestammt erachtet werden, welche sich jedoch aus der gegenwärtigen Lage von Gegend oder Lehen entwickelt haben.
Auf den Pergamenten steht beispielsweise auch, dass die Obrigkeit Galadons wie folgt geordnet sei: Der Adel, der sich um alles kümmere, was mit der Friedenszeit zu tun hat und die Ritterschaft die sich um das Kriegswerk kümmere und die Geweihtenschaft, die das Volk vor den dunklen Mächten schütze.
Jedoch weiß man, dass es nur in den seltensten Fällen tatsächlich so klar getrennt ist. So gibt es Gegenden, in denen die Ritterschaft aufgrund anhaltender Krisen gezwungen ist, sich um alle weltlichen Belange zu kümmern und andere, in denen der Adel eigenständig ein Heer aufstellt und führt. Genauso gibt es Gegenden, in denen Vertreter der Kirche sich um Gesezt, Ordnung und Verteidigung kümmern oder Landstriche, in denen die Tätigkeit des Geweihten beschränkt ist auf das Sammeln von Spenden und das halten von Messen, Segnungen und Predigten.
Galadon ist groß.
Und in seinen Weiten gibt es nahezu nichts, was es nicht gibt.