Lit Ita'Im'Elarum Odalim ir Galadon
| (Man sieht ein dickes in braunes Leder gebundenes Buch von handlicher
Grösse. Auf dem Einband steht mit weissem Faden saubern eingenäht der Titel.
Geschrieben wurde es mit bläulicher Tinte in recht eckigem, energischem
Federzug, die Anfangsbuchstaben jedes Absatzes sind kalligrafisch verschlungen
geschrieben.)
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| Lit Ita'Im'Elarum Odalim ir Galadon
Tai Sah'Halour - Glurias
| Schon in den ersten Geschichtsbüchern Galadons sei von Räten, Beschlüssen
und Türmen der Magier berichtet, von grossen Taten, rätselhaften Ratschlägen
und überraschendem Einschreiten.
Der Gedanke einer Vereinigung der Magier, von Türmen und Lehranstalten wurzelt
tief in der galadonischen Geschichte und kein Lebender könne mit Sicherheit
sagen, wann oder wie alles begonnen hat - ja, noch nicht einmal, ob es
überhaupt eine Zeit ohne die arkane Gesellschaft und ihren uralten Regeln
gegeben hätte. Ita'Im'Elarum:
Die drei Pfade der Magie, die heute von der Krone geduldet werden - der
Weisse, der Graue und der Elementare - teilen ihre Mitglieder in zwei Gruppen
ein. Die "Einwa'Im", welche nach dem Grundstudium die Lehren des Unsichtbaren
auf eigene Faust ergründen und ihr Leben meist wandernd oder sesshaft in
kleinen Siedlungen führen, und die "Ir'Drunim", welche sich in geregelten
Orden versammeln und von den frühen Lehrlingsjahren bis zum Alter in den
Mauern ihrer Türme leben, lernen und ihren Lebenszielen nachgehen. Man
munkelt, dass auch die Magier, des seid Angamons Erscheinen verfolgten,
schwarzen Pfades sich in ebensolche Gruppen gliedern - Das wahre Wissen um
diesen Pfad ist allerdings entweder in den Wirren nach dem Amulettkrieg
verloren gegangen oder wird in den tiefsten Bibliotheken des Reiches gehütet.
Jeder Pfad besitzt in Galadon einen grossen Turm, der von den Magiern auch
"Hochturm" oder "alter Turm" genannt wird in dem die Erzmagier ihr Leben
verbringen, die wichtigsten Zusammenkünfte abgehalten, die wertvollsten Bücher
verwahrt und die grössten Versammlungen abgehalten werden. Die Jahre in denen
diese gewaltigen Gebäude errichtet wurden sind in den Nebeln frühgaladonischer
Geschichte versunken und auch die Magier können oder wollen nicht sagen, wie
oder wann sie errichtet wurden. Des Weiteren finden sich in nahezu jeder
Grafschaft von ausreichender Grösse kleinere Türme und Gebäude die einem oder
mehreren Pfaden angehören und Aufgaben als Lehr- und Sammelstelle der Novizen,
als Aussenposten der alten Türme und als Forschungsstätten. Manche dieser
Türme sollen beinahe so alt sein, wie die Hochtürme, von einigen ist das
Gründerjahr allerdings auch verzeichnet - Der jüngste dieser Türme war der
Magiertrum zu Tiefenbach auf Siebenwind. In den Türmen sind die Magier wie
folgt gegliedert: - Novizen:
Dies sind die jungen und unerfahrenen Magier, welche gerade erst mit dem
Studium der verborgenen Künste begonnen haben. Sie dürfen in der Regel ihre
Türme nicht verlassen und haben meist keine eigenen Rechte in ihrer
Gesellschaft. In Räten und Versammlungen haben sie unter den üblichen
Bedingungen keine Stimme. - Adepten:
Diese Magier haben die ersten Prüfungen bestanden, dürfen die ersten Ämter
innerhalb des Turmes übernehmen und erhalten eine Stimme in den Versammlungen
der Magier. Adepten werden unter Anderem auch eingesetzt um für ihren Turm
Lehr- oder wichtige Botenaufgaben zu übernehmen. - Magister:
Treibt ein Adept sein Studium weiter wird er, nach bestandenen Prüfungen
seines Pfades, zum Magister erhoben, welcher in den Türmen die höheren Ämter
übernimmt und den Lehrstand verkörpert. Diese Magier übernehmen oft
längerfristige Aufgaben für den Turm und dürfen auch Berufen ausserhalb der
Lehranstalt wahrnehmen. - Hochmagier:
Mit ausreichender Begabung und Eifer können Magister zu Hochmagiern werden,
welche meist die Führung der kleineren Türme übernehmen und den Versammlungen
der Magier vorstehen. Mit dem Titel des Hochmagiers ist für die Meisten das
Ende der Aufstiegsleiter erreicht, denn nur mit aussergewöhnlichem Talent und
grosser Hingabe kann ein Magier seinen Einfluss jetzt noch steigern. Viele
sagen auch, dass einzig das Schicksal und der Wille der Mächte einen Menschen
zum Erzmagier bestimmen können. - Erzmagier:
Die höchste Riege der Magier bilden die Erzmagier. Sie verfügen über gewaltige
Kraft und ungeheures Wissen. Von den alten Türmen aus halten sie Rat und
entscheiden mit ihren Untergebenen über das weitere Werden und Handeln ihres
gesamten Pfades. Das Wort eines Erzmagiers ist jedem Turm Befehl und
unumstössliches Gesetz.
Ungefähr jeden Monat halten die einzelnen Türme eine Versammlung ab und
beratschlagen über örtliche Vorkommnisse und einmal im Jahr sendet jede
Lehranstalt einen oder zwei ihrer Magier zu den alten Türmen aus um dort am
grossen Rat Teil zu haben und die Entscheidungen der Erzmagier zu vernehmen.
Alle fünfzig Jahresläufe tagt das "Rund". Hierbei treffen sich die Abgesandten
und Erzmagier der drei Pfade auf unbekanntem, herrenlosem Boden und halten Rat
über wichtige Entscheidungen, die Magie im allgemeinen oder das Reich Galadon
betreffend - Was jedoch genau gesprochen wird, und wer alles erscheint, das
wissen nur die Magier, und Astrael selbst. Die alten Türme: Der Elementare,
Endrûn:
Der Trum der Elementarmagier ist wohl der geheimnisvollste der drei Festen.
Keiner kann genau sagen, wo er sich befindet, doch man geht davon aus, dass er
verborgen in den Weiten des Drakenwaldes, irgendwo zwischen den Klauenbergen
und dem Laree, zu finden sei. Gesehen haben ihn nur wenige, denn es heisst,
die Wege, die zum Turm führen, seien einzig den Magiern der Türme bekannt und
keim Unbefugtem würde es je gelingen ihn zu entdecken; mancherorts munkelt man
auch der Wald selbst würde, mit seinen Geschöpfen und sogar mit seinen Bäumen
selbst, den Turm davor bewahren entdeckt zu werden. In den Vorstellungen des
Volkes ist der elementare Hochturm ein Teil der Wälder und sei dazu in der
Lage, dem Rauschen der Blätter im Wind gleich, mal in diesem, mal in jenem
Wald Galadons zu erscheinen - Und tatsächlich kann man aus vereinzelten
Berichten und alten Schriften andere Orte als Standort des Turmes errätseln.
Wie viel davon wahr ist, werden nur die eingeweihten Elementarmagier wissen,
die zu Beginn ihres Studiums den Eid leisten mussten die Pfade und Geheimnisse
des alten Turmes nie zu lüften.
Die Gestalt des Turmes ist weit besser überliefert als sein Standort und viele
verträumte Bilder galadonischer Künstler stellten sie schon dar. Er soll aus
vier schlichten, nahezu rechteckigen, im Viereck angeordneten Einzeltürmen mit
runden Dächern bestehen, von denen etwa auf halber Höhe Brücken zur Mitte des
Vierecks ausgehen und sich dort zu einem kleineren, runden, fünften Turm
vereinigen, dessen Spitze tropfenförmig ist und schimmern soll, wie goldenes
Sonnenlicht durch ein Blätterdach. Auf einigen Bildern sind die Wände des
Turmes aus Marmor, in manchen aus Stein und auf den meisten aus glattem,
dunklen Holz, dessen Formen eher wie gewachsen und nicht gebaut aussehen. Man
weiss über den ungefähren Standort und die Gestalt des Turmes nichts über das
Vorgehen oder Leben in seinem Inneren und die Elementarmagier hüten sich,
davor zu sprechen und lächeln meist nur schweigend, sollte man sie danach
befragen. Der Graue, Glurdrûn:
Viele Menschen wissen, dass der alte Turm der Grauen in dem Massiv des Larees
zu finden ist, jedoch kennt man auch von diesem Turm nicht den genauen
Standort. Nichtmagier, die durch Geschäfte - welcher Art die auch sein mögen -
den Turm aufsuchen wollen, können dies nur mit einem Graumagier, der sie den
Berg hinauf in die Höhenzüge führt. Alle, die zurückgekehrt sind, berichten,
dass sie eines Wegstücks von dichten Nebelwolken eingehüllt worden wären,
welche nach kurzer Zeit das Reisen erschwerten und bald eine Rast erzwangen,
weil man die Hand am ausgestreckten Arm nicht mehr sehen konnte. Lichtete sich
der Nebel nach einiger Zeit wieder, stand man im Boden einer Schlucht, deren
Verlauf stets zum Turm der Grauen führte.
Der Hochturm selbst soll beeindruckend und gewaltig sein. Nach ein paar
Wegstunden weite sich die Schlucht zu einer grossen, kreisförmigen, Felssenke
aus, aus deren unwirklich glatten Grund sich fugenlos eine riesige, gefurchte,
Steinsäule erhebe, die in einem waagrechten Dach mit kunstvoll geschwungenen
Zinnen endet. Um diesen Felsturm erheben sich in regelmässigen Abständen acht
riesige Statuen, welche dem Turm den Rücken zukehren und mit ihren Gesichtern
in die vier Haupt- und vier Nebenhimmelsrichtungen blicken. Tritt man näher so
erkennt man in den acht Statuen die Viergöttrigkeit und die Elementarherren
dargestellt, und in den Furchen und Falten des Turmes erkennt man Szenen und
Figuren aus der Schöpfungsgeschichte Tarens, welche von den Grundfesten bis zu
den Zinnen des Turmes in gemeisselten Bildern dargestellt ist. Bisher durfte -
oder konnte - noch kein Nichtmagier diese Gravuren genauer untersuchen und von
dem Gesehenen berichten, dies sei einzig den Magiern vorbehalten. Es ist
bekannt, dass die Herren des grauen Turmes sich nach ihren eigenen, den
meisten Leuten unbegreiflichen, Interessen in die Geschehen im Reich
einmischen und Rat und Tat, ob gewollt oder nicht, zu Hilfe stellen. Die
Adligen des Landes sind manchmal etwas beunruhigt darüber, dass die Grauen dem
König nicht Gehorsam geschworen haben und auf eigene Faust handeln, allerdings
ist noch kein Fall bekannt in dem der graue Hochturm gegen die Beschlüsse oder
Handlungen der Krone vorgegangen wäre.
Man munkelt auch, dass einige Adlige und reiche Handelshäuser Verbindungen zum
Felsenturm hätten und dort fragwürdige Geschäfte abschliessen, in wie weit
diese Gerücht jedoch wahr sind, wissen nur die Mächte und die eingeweihten
Graumagier. Der Weisse, Ildrûn:
Dieser Turm ist der offenste und bekannteste der alten Magierfesten, denn er
steht in Draconis, der Hauptstatt des galadonischen Reiches. In einem Viertel
fern des Flusses sind seine weitläufigen Anlagen ausgebreitet, beginnend mit
einem fünfzehn Schritt breiten Strasse aus weichem, weissen Kopfsteinpflaster,
die das Gelände des Turmes umläuft und sie symbolisch von dem Rest der Statt
trennt. Hinter dieser Strasse beginnen drei ebenfalls kreisförmig angeordnete,
marmorne Häuserzeilen, unterbrochen von schattigen, von Menschenhand
angelegten und gepflegten Gärten. Diese Häuser dienen den wohlhabenden
Lehrmeistern und Beauftragten des Turmes als Wohnhäuser und manche sind
Wohnanlagen für die Lehrlinge. In der Mitte dieses ganzen Vorbaus steht der
eigentliche Turm. Sein Grund besteht aus einem senkrechten, drei Mann hohen,
Mauerkreis aus weissem Gestein, derdann beginnt eine makellose, kugelförmige
Kuppel, ebenfalls aus schneeweissem Stein, zu bilden, die das Gebäude
überdeckt. In jeder Himmelsrichtung wölbt sich die glatte Mauer zu einem
runden Vorbau aus von dem sich je ein schlanker, weisser Turm in den Himmel
erhebt. Diese Türme sind mit spitzen Dächern bedeckt, die aussehen, als seien
sie aus Glas gefertigt. Im Fuss von jedem dieser vier Türme steht ein
gewaltiges Doppeltor, dass aus reinem Silber gegossen scheint, und auf dessen
Flügeln die Ideologien des weissen Pfades in der Sprache der Magier
eingeschrieben sind. Jedem steht es frei, diesen Stadtteil und den Turm -
wenigstens in den untersten Hallen - zu besuchen und sich dort aufzuhalten,
auch wenn das wohl nur wenige tatsächlich machen werden, denn ganz, kann man
einem Magier schliesslich nie trauen, auch wenn er freundlich wirkt. Seid
jeher haben die Herren des weissen Hochturmes Vertrag und Bündnis mit der
galadonischen Krone. Oft übergeben Adelige ihre Söhne und Töchter Weissmagiern
zur sittlichen Erziehung an und man vertraut in der Regel auf ihre Ratschläge
und Weisheit. Doch auch im tätigen Bereich werden weisse Magier beobachtet,
die ihrem Sinn für Recht und Ordnung im Namen des Reiches Ausdruck verleihen
und Bedürftigen helfen oder Böses abwehren. Man nimmt an, dass die Weissmagier
im erklärten Bündnis mit der Krone darauf hoffen, das Schicksal des Reiches
und seiner Bevölkerung zum Guten zu führen und das ketzerische und dämonische
von den weltlichen Herrschern fern zu halten - Es entspricht ihrem Sinn für
Recht, Ordnung und Mässigung mit beratender und helfender Hand neben den
Führern des Reiches zu stehen und sich in ihrem Namen für wohlwollende Sachen
einzusetzen. Meistens werden auch die Weissen zu Hofmagiern ernannt um das
Band zwischen Turm und Palast zu verdeutlichen. Der Schwarze, Dordrun:
Die Gelehrten Galadons sind sich heute noch uneinig, ob sie mit Sicherheit
ausschliessen oder bestätigen können, dass es solch einen schwarzen Hochturm
je gegeben hätte. Zwar scheint es einleuchtend, dass, wenn die Hochtürme so
alt sind, wie sie es scheinen, sie vor dem ersten Plagefall des Einen über
Tare errichtet wurden und folglich der schwarze Pfad damals nicht weniger
argwöhnisch beäugt oder bekämpft wurde als der elementare oder der graue.
Allerdings ist es schwer, Informationen über dieses Gebiet einzuziehen, da in
den Wirren, nach dem Krieg, die Priester, Herrscher und das einfache Volk
darum bemühten alles, was mit der schwarzen Magie - oder der Hexerei - in
Verbindung stand zu verbrennen. So gingen ebenfalls die meisten Überliefrungen
in Asche und Rauch auf, und geblieben sind nur alte, mündliche Überlieferungen
des einfachen Volkes. Man kann nicht genau sagen, wo der schwarze Hochturm
gestanden haben soll, die meisten Geschichten stellen ihn jedoch als ein
Bollwerk am Meer oder an Klippen dar, in einigen - vorallem unter Seefahrern
verbreiteten - Versionen ragt er sogar bloss aus der See empor. Er soll einen
quadratischen Grundriss gehabt haben und seine Wände sollen sich, aus glattem,
schwarzem Edelgestein gefertigt, vom Fusse bis zum scharf abgeschnittenen,
waagrechten Dach gezogen haben, wie aus einem einzigen Guss. Man erzählt, dass
dieses schwarze Material nur wie eine Haut um das bleiche Turmgerippe
geschlungen sei, und dass es sich verformen könne, wie flüssiger Stahl um
Öffnungen zu bilden, oder bizarre Fratzen und Tentakel um Angreifer zu
verscheuchen. Manche - wiederum Seefahrer - behaupten sogar, der Turm wäre um
den Fuss geschaffen wie eine gewaltige, ledrig schwarze Krake mit vielen
Tentakeln und er würde Schiffe damit versenken können. Aberglaube und Wahrheit
kann man, was den alten Turm der Schwarzmagier angeht nicht trennen. Zu wenige
gibt es, die etwas darüber wissen und noch so gut wie keiner von denen, die
etwas wissen sind besonders redseelig. Brandenstein, 12 n.H.